Die Firma Seitenbacher stellt tatsächlich ganz hervorragende Müslis her. Da sitzen offenbar Leute, die den Müsli-Markt genau beobachten und buchstäblich hunderte von Sorten für jeden Geschmack kreieren. Viele Sorten sind erfreulicherweise nussfrei und liegen deshalb nicht so schwer im Magen.
Die Doppelnummerierung einzelner Seitenbacher-Müslis in verschiedenen Ländern erregt natürlich den Verdacht, dass die vielen hundert Müslisorten eher virtuell existieren. Andererseits ist das Angebot auch abzüglich der Doppelbezeichnungen schwer zu überschauen.
Das Müsli-Sortiment von Seitenbacher gliedert sich in drei Klassen:
Einfache Müslis: Diese Müslis werden meist in 1000g-Packungen angeboten und sind vergleichsweise günstig. Sie sind in Ordnung, schmecken aber nicht überragend.
Premium-Müslis: In 750g-Packungen sind die Seitenbacher-Spezialitäten erhältlich. Dazu zählen viele meiner Favoriten.
Bio-Müslis: Die Spitzenmüslis werden in Verpackungen aus Aluminium (500g) verkauft und schmecken fast durchgehend überragend.
Um eine Sache mal klarzustellen: Ich arbeite trotz der vielen gelisteten Seitenbacher-Müslis nicht für Seitenbacher, kassiere keine Provisionen und bin auch weder verwandt noch verschwägert mit den Besitzern. Wenn ich es täte bzw. wäre, würde ich mich für die unglaublich schlechte Website der Firma in Grund und Boden schämen. Nicht mal hübsche Bilder der eigenen Müslis gibt es da. Update 2008: Mittlerweile gibt es hübsche Bilder der Müslis und auch eine einigermaßen ansprechende Startseite.
Ballastoos werden aus Dinkel hergestellt, sind aber deutlich dicker als normale Flakes. Neben dem etwas zu starken Zimtgeschmack irritieren der komische Name und die Anpreisung als „Dinkel-Spezialität, besonders für Mädels“. Warum Dinkel-Chips Mädchen besser schmecken sollen als Jungen, wird ein Geheimnis der Marketing-Strategen im Hause Seitenbacher bleiben.
In Milch weichen die recht harten Ballastoos schnell auf, wodurch der Zimtgeschmack noch stärker wird. Nichts für größere Portionen.
Nicht nur bei Müslis beansprucht die Firma Seitenbacher eine Sonderstellung: Als einer der wenigen Hersteller bietet sie zuckerfreie Cornflakes an, was ich ihr hoch anrechne. Dass der verwendete Mais in Deutschland (Baden-Württemberg) ohne Gentechnik hergestellt wurde, wird Protektionisten und Ökologen freuen.
Geschmacklich unterscheidet sich der deutsche Mais deutlich von den sonst üblichen argentinischen Sorten (La Plata etc). Er ist viel heller und schmeckt angenehm mild.
In Müsli-Mischungen werden übrigens relativ häufig ungezuckerte Cornflakes verwendet, und die Seitenbacher-Cornflakes sind die ideale Auflockerung für zu schwere Müslis.
Anders als Mais eignet sich Dinkel mangels kräftigem Eigengeschmack weniger gut als Basis für ungesüßte Flakes. Seitenbacher selbst bezeichnet die Flakes als „getreidig, leicht salzig und lecker“. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Außerdem lassen sich die Dinkelflakes auch sehr gut zur Auflockerung schwerer Müslis benutzen.
Ein unnummeriertes Müsli von Seitenbacher. Erinnert etwas an Barnhouse Krunchy Pur, schmeckt aber einfach nur süß und fad. Nicht mal eine Mischung mit normalen Haferflocken macht dieses Müsli wirklich ansprechend.
Als Orientierungspfeiler im Dickicht der vielen Seitenbacher-Müslis gibt es Klassiker wie das Frühstücksmüsli. In der Seitenbacher-Interpretation ist diese vermeintlich unspektakuläre Mischung recht originell. Auch hier verzichten die Müsli-Designer auf Nüsse (viel zu schwer, so früh am Morgen), dafür gibt es kleine Weizenvollkornbällchen (schmecken ziemlich originell), Soja, viel Leinsamen und Sonnenblumenkerne.
Normalerweise würde ich mich nicht beschweren, wenn die Hersteller etwas sparsamer mit den Rosinen umgingen. Aber ganz ohne Rosinen schmeckt es doch ziemlich fad.
Das Müsli #191 enthält exakt dieselben Inhaltsstoffe wie das Hensel Haus-Müsli, schmeckt aber etwas besser (wegen der größeren Apfel- und Erdbeerstücke). Es ist nicht zu schwer und lässt sich gut mit Seitenbacher-Cornflakes zu kombinieren. Ob Seitenbacher von Hensel („altes Familienrezept“) geklaut hat oder umgekehrt, kann und will ich nicht beurteilen.
Innerhalb des Seitenbacher-Sortiments ist Aktiv-Mischung ein bisschen wie eine Kreuzung aus Verwöhner- und Ballaststoff-Mischung: Wenig Rosinen und ein paar Cornflakes, dazu getrocknete Äpfel und Beeren, Mandeln und Sonnenblumenkerne. Auf den ganzen Kleinkram der Ballaststoff-Mischung (Soja, Leinsaat, Kleie) wird verzichtet. Dafür haben aktive Leute eben keine Zeit.
Eigentlich hätte mir ein Blick auf das Etikett genügen können: Diese Eiweißquelle für Sportliche ist overdone. Nicht nur sind einige der Fruchtsorten gezuckert, die Vielfalt der Zutaten hinterlässt insgesamt einen chaotischen Geschmackseindruck (der allerdings mit beigemischten Getreideflocken gedämpft werden kann). Im direkten Vergleich wirkt sogar mein wild gemischtes Fruitmaze klar konturiert.
Mein erster Kontakt mit Seitenbacher-Müslis – sie ist nussfrei, voller Cornflakes und enthält wenige Rosinen. Interessanterweise musste ich erst bis in den äußersten Westen Europas reisen, um dieses Müsli zu entdecken: Auf La Palma gibt es jede Menge Seitenbacher-Müslis, was zu den meisten dortigen Touristen passt (deutsche Nationalität, gutes Einkommen, gesundheitsbewusst, unflexibel in der Wahl ihrer Nahrung). Dort heißt mein Müsli #104 und gehört als Bio-Müsli zum aluverpackten Spitzensegment. Die urlaubsselige Erinnerung kann mich trügen, aber das deutsche Müsli #311 scheint mit dem großartigen Müsli #104 nicht vollkommen identisch zu sein (zumal es weder kontrolliert-biologisch noch in Alu verpackt angeboten wird).
Für Leute wie mich, die keine Süßigkeiten mögen, bietet sich die Ballaststoff-Mischung an: Auf einer soliden Getreidebasis entwickeln getrocknete Äpfel und verschiedene Beeren ein sehr kräftiges, fruchtiges Aroma – unterstützt von einem Hauch Mandeln Kürbis- und Sonnenblumenkernen, flankiert von Kleie und Leinsaat. Ein Gedicht. Das war jetzt vielleicht ein wenig zu lyrisch für eine Muslibeschreibung, aber: Ex abundantia cordis os loquitur. Im Vergleich zur Verwöhner-Mischung schmeckt die Ballaststoff-Mischung deutlich herber.
Mit der Knackigen Mischung kann ich nichts anfangen. Sie versucht den Verzicht auf Rosinen fatalerweise durch einen extrem hohen Nussanteil auszugleichen und liegt sehr schwer im Magen, selbst für vollkorngewohnte Kerndlfresser wie mich.
Im exklusiven aluverpackten Bio-Segment von Seitenbacher entspricht die Bio-Basis-Mischung der Spezial-Mischung II aus konventionellem Anbau. Zwar enthält erstere weniger Cornflakes, aber das kann mit Hilfe der Seitenbacher-Cornflakes leicht ausgeglichen werden.
Die Odenwald-Mischung bestätigt die Regel, dass die Bio-Müslis von Seitenbacher besser schmecken als ihre konventionellen Pendants. Allerdings ist sie dem Müsli #721 geschmacklich nur leicht überlegen: Es sind etwas weniger Beeren enthalten, und statt der Mandelplättchen von #721 wartet #538 mit Mandelkernen auf.
Dieses Müsli ist ähnlich konzipiert wie die Aktiv-Mischung #191 von Seitenbacher bzw. das Hensel Haus-Müsli (allerdings ohne die dort verwendeten Äpfel), lässt beide Mischungen geschmacklich aber weit hinter sich (und stammt außerdem aus kontrolliert-biologischem Anbau).
Die perfekte Mischung von drei Sorten Getreideflocken, Cornflakes, Sonnenblumenkernen, Rosinen und Erdbeeren ist schlicht eines der besten Müslis, die ich kenne.
Wer zwischen einem richtigen Müsli und Flakes schwankt, ist mit der Dinkel-Mischung sehr gut bedient. Seitenbacher verwendet dafür die hauseigenen Dinkel-Flakes, Ballastoos (gezimtete Dinkel-Chips) und Saltoos (Dinkel-Ringe) und mischt das Ganze mit Datteln, Äpfeln, Erdbeeren, Kürbis-, Sonnenblumen- und Mandelkernen. Ebenfalls: Sehr lecker, wenn auch ein wenig zu süß. In Kombination mit Großblatt-Dinkelflocken von Alnatura (oder auch dem Basismüesli von Schneekoppe) schmeckt #656 allerdings nahezu perfekt.
Der „Sinnes-Traum“ enthält etwas mehr Getreideflocken als die nah verwandte Dinkel-Mischung (Müsli #656), ist aber ebenfalls mit viel Honig und Zimt überladen. Mit einer großzügigen Haferflocken-Beimischung wird #714 nicht unbedingt zu einem Sinnes-Traum, aber zu einem recht leckeren Müsli.
Ideal für Liebhaber getrockneter Beeren ist die Verwöhnermischung: Außer großen Himbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren sind noch Äpfel, Rosinen, gehobelte Mandeln und verschiedene Flocken drin. Ähnlich schlicht wie die Spezial-Mischung II und genauso wirkungsvoll.
Die „Magnesium- und Eisenquelle“ kann als Messlatte bei Beerenmüslis gelten.
Ein einfaches, aber wirkungsvolles Müsli: Getreide, ganze Mandeln, Rosinen und ein bisschen Füllmaterial (ja, ich entschuldige mich in aller Form beim Verband der deutschen Sonnenblumen-, Leinsamen- und Sesambauern). Wegen des gelungenen Mischungsverhältnisses sehr zu empfehlen. Die Vollbiologische Mischung gehört nach der mysteriösen Seitenbacher-Taxonomie nicht zu den biologischen Premium-Müslis in glänzender Aluverpackung.