Milchalternativen

Obwohl die Ernährungsapokalypse erst im kommenden Jahr zu erwarten ist und ungeachtet der klimaethisch sauberen Kuhmilch, habe ich mir vorsorglich Gedanken über meine künftige Energiezufuhr ohne Tierprodukte gemacht. Die Hauptfrage ist natürlich: Womit soll ich mein Müsli anfeuchten? Wie mache ich aus einer Banane ein Getränk?

Glücklicherweise bietet Alnatura ein umfangreiches Sortiment von Milchalternativen, die allerdings bei näherem Hinsehen größtenteils wenig erfreulich schmecken – natürlich, Großvater, an der Front und nach dem Krieg hättet Ihr wer weiß was für einen schönen Becher Sojamilch gegeben. Konkret geht es um folgende Mixturen:

Die Calcium-Variante des Reis-Drinks ist geschmacklich vom calciumfreien Getränk ununterscheidbar, und auch die Nährwerte (s.u.) sind – abgesehen vom Calciumgehalt von 120mg/100ml – identisch. Der Soja-Drink Calcium enthält dagegen neben der calciumliefernden Meeresrotalge aus unerfindlichen Gründen Rohrohrzucker und Bourbonvanille. Ich kann nur vermuten, dass ein naturbelassener Soja-Drink in Verbindung mit Meeresrotalge entsetzlich schmeckt.

Für ein empirisch gesichertes Geschmacksurteil habe ich die Drinks mit verschiedenen Cerealien bzw. mit Bananen gemischt. Zu Rice Krispies passt natürlich am besten der Reis-Drink, bei Hafer- und Dinkel-Drink stört der zu starke Eigengeschmack, und Soja-Drink ist indiskutabel. Dasselbe gilt für Haferflocken, wobei hier der Dinkel-Drink erstaunlicherweise etwas besser passt als der eigentlich naheliegende Hafer-Drink. In Verbindung mit gekochten Haferflocken (Porridge) wiederum schmecken Reis- und Hafer-Drink ganz ordentlich, der Soja-Drink lässt sich von Wasser kaum unterscheiden, während der Dinkel-Drink auf dem letzten Platz landet.

Im Bananenshake schließlich (Banane, Vanille, X-Drink, zwei Minuten im Mixer quirlen) landen Reis- und Sojamilch auf dem ersten Platz, während Hafer- und Dinkelmilch sich als einigermaßen akzeptable Varianten Platz 2 teilen. Insgesamt spricht fast alles für die Reismilch mit ihrem ziemlich süßen, aber sonst sehr neutralen Geschmack. Der Soja-Reis-Drink funktioniert als geschmackliche Kompromisslösung, weil die Reissüße den herben Eigengeschmack der Sojabohnen ausgleicht.

Preislich setzt sich der Soja-Drink Natur (0,95 EUR/Liter) von allen anderen Varianten (1,45 EUR/Liter, Dinkel-Drink Natur: 1,65 EUR/Liter) deutlich ab. Er liegt damit auf dem Niveau von Kuhmilch. Über den fehlenden Zusammenhang zwischen Endpreis und Energieaufwand bei der Herstellung wundern sich nur hartgesottene Kapitalismuskritiker – für ein Nischenprodukt ist der Soja-Drink jedenfalls erstaunlich günstig.

Aus ernährungsphysiologischer Perspektive sieht die Sache nicht so eindeutig aus: Anders als der Soja-Drink, dessen Eiweißanteil von 3,6g/100ml dem von Kuhmilch entspricht, liefern die Getreidedrinks kaum Eiweiß (Reis: 0,1g, Hafer: 0,6g, Dinkel: 0,8g). Umgekehrt ist der Kohlenhydratanteil des Soja-Drinks (1,6g, davon 1,4g Zucker) fast zu vernachlässigen (die Calciumvariante kommt wegen des zugesetzten Zuckers auf 3,0g/2,2g), während der Reis-Drink satte 9,2g/7,3g enthält. Hafer und Dinkel liegen mit 6,0g/5,2g und 6,2g/5,7g deutlich darunter, aber immer noch über der Kuhmilch (4,8g/4,6g).

In Bezug auf den Fettanteil orientieren sich sämtliche Drinks an (fettarmer) Kuhmilch, wobei der Soja-Drink seinen Fettanteil von 2,1g (davon 0,4g gesättige Fettsäuren, 0,5g einfach ungesättigte Fettsäuren und 1,2g mehrfach ungesättigte Fettsäuren) aus eigener Kraft – sprich: aus Sojabohnen – erreicht. Die Getreidedrinks sind dagegen selbst für relativ geringe Fettmengen (Reis: 1,0g/0,1g/0,8g/0,1g, Hafer: 1,4g/0,2g/0,5g/0,7g, Dinkel: 1,5g/0,2g/0,4g/0,9g) auf die Unterstützung durch Sonnenblumenöl angewiesen. Bis auf den Reis-Drink (195kJ) liefern sämtliche Drinks deutlich weniger Energie als (fettarme) Kuhmilch (Soja: 166kJ, Hafer: 168kJ, Dinkel: 178kJ), und selbst der gezuckerte Soja-Drink Calcium bringt es nur auf 177kJ. Unter gesundheitlichen Aspekten sollten also nicht nur Allergiephobiker zum reinen Soja-Drink greifen, der neben einer ausgewogenen Zusammensetzung auch eine minimalistische Rezeptur vorweisen kann. Der geschmackliche Kompromissdrink aus Soja und Reis präsentiert sich als gelungene, eiweißreduzierte Milchimitation (Eiweiß: 2,0g, Zucker: 4,5g, Fett: 1,4g, Energie: 196kJ).

Interessanterweise enthält das Aldi-Pendant zu Alnaturas Soja-Drink (Sojadrink Naturell mit Calcium, Zutaten: Wasser, Sojabohnen, Meeresrotalge) trotz eines identischen Soja-Anteils deutlich mehr Energie (179 kJ), Eiweiß (4,0g) und Fett (2,4g/0,4g/0,5g/1,5g), aber noch weniger Kohlenhydrate (1,0g/0,8g). Der Aldi-Lieferant verwendet offenbar völlig andere Sojabohnen, die zudem deutlich schlechter schmecken (wenn auch nicht so schlecht, dass man den Unterschied auf die Meeresrotalge zurückführen und so den Zusatz von Zucker und Vanille in Alnaturas Soja-Drink Calcium rechtfertigen sollte).

Fazit: Wenn die Bundesregierung morgen im Zuge der Energiewende die Abkehr von jeglicher Tierhaltung dekretierte, wäre der Soja-Reis-Drink meine erste Wahl fürs Müsli. Fruchtshakes (Banane, Himbeere, Mango, Orange) sind mit reinem Soja-Drink geradezu unglaublich gesund und sogar ganz lecker.