Josef Joffe mag keine eskapistische Unterhaltung:
Die Botschaft ist absolut korrekt: wider Rassismus, Militarismus, Kapitalismus, für Natur- und Kulturenschutz. Und verlogen. Schon Thomas Hobbes hat das Leben im Naturzustand als
gemein, hässlich und kurzgegeißelt. Die Indianer waren keineswegs friedlich und nobel; die Grausamkeit der Apachen im Krieg gegen andere Stämme war legendär.
Inwiefern wird ein Plädoyer gegen fiese Ismen durch die beschönigende und sentimentale Darstellung einer naturnahen Lebensweise verlogen? Ist Rassismus besser, weil Indianer grausame Krieger waren? Aber das eigentliche Problem liegt – natürlich – tiefer:
Aber das Verlogene geht tiefer, wie David Brooks in der New York Times anmerkt. Genauso wie Tarzan und Old Shatterhand ist der Blauen-Retter Jake Sully ein weißer Mann, ein
weißer Messiasaus einer technorationalistischen Zivilisation, der die Eingeborenen zum Sieg führt.
Das wiederum ist eine völlig richtige Analyse, auf die Herr Joffe allerdings nicht selbst gekommen ist. Der zitierte David Brooks zieht auch den richtigen Schluss:
[The White Messiah fable] also creates a sort of two-edged cultural imperialism. Natives can either have their history shaped by cruel imperialists or benevolent ones, but either way, they are going to be supporting actors in our journey to self-admiration.
Avatar hat keine korrekte, aber auf einer tieferen Ebene verlogene Botschaft, sondern eine offen imperialistische und selbstgefällige. Manchmal ist die Welt ganz einfach, liebes ZEIT-Feuilleton.